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«Consenec Impuls» im Zeichen von Donald Trump

11. November 2019 – Wird Donald Trump in einem Jahr als US-Präsident wiedergewählt? Auf Einladung von Consenec schätzte Arthur Honegger, SRF-Moderator und langjähriger USA-Korrespondent, vergangene Woche in Dättwil die Lage ein.

An Donald Trump scheiden sich die Geister; in Europa irritiert er vorwiegend – aber er wirkt zweifelsohne als Publikumsmagnet. Selten zuvor fand ein «Consenec Impuls»* so reges Interesse wie «USA 2020: Was nun, Amerika?» vergangenen Mittwochabend. Was gewiss auch am prominenten Gastreferenten lag: Arthur Honegger, aktuell Moderator von «10vor10» in SRF 1, davor langjähriger USA-Korrespondent des Schweizer Fernsehens.

Neuer Geschäftsführer von Consenec
Begrüsst wurden er und das Publikum von Ingo Fritschi, seit 1. November 2019 neuer Geschäftsführer von Consenec, als Nachfolger von Renato Merz. Er erinnerte sich einleitend an eine Einladung zu einer Wahlnacht-Party mit der US-Botschafterin in der Schweiz anlässlich der letzten US-Präsidentenwahl. Die schlug er nicht zuletzt deshalb aus, weil ja eh klar gewesen sei, dass sie mit der Kür der ersten Präsidentin des mächtigsten Landes der Erde enden würde. Zum Erstaunen aller – und Entsetzen vieler – kam es anders.

Ingo Fritschi
 
Ingo Fritschi, ehemaliger Leiter von libs, moderierte seinen ersten Consenec Impuls.
 

Vier weitere Jahre Trump?
Wird sich dieses Szenario wiederholen? Kann der gewiss eigenwilligste Präsident der US-Geschichte in einem Jahr die Wahlen erneut gewinnen und vier weitere Jahre dem Weltgeschehen seinen Stempel aufdrücken? Diese Frage bewegt viele. Generell schlechte Umfragewerte wie heute hatte er auch vor der Ausmarchung 2016. Honegger betonte zudem, dass in dem Jahr bis zu den Wahlen am 5. November 2020 noch viel Unvorhergesehenes passieren könne.

Kaum Chancen für Impeachment
Und es ist ja noch nicht entschieden, gegen wen Trump antritt – so er denn noch antreten kann. Doch auch Honegger geht davon aus, dass das Impeachment nicht in seiner Absetzung enden wird. Die Republikaner, die im Senat die Mehrheit haben, werden unter dem Druck der eigenen, Trump durchaus zugewandten Wählerschaft nicht in genügend grosser Zahl dafür stimmen – ziemlich unabhängig davon, was das Verfahren noch enthüllen wird.

Athur Honegger und Trump

Arthur Honegger - mit einem unverkennbaren Schattenwurf.

Aussichtsreichster Gegenkandidat, aber ...
Eigentlich hätte der gemässigte Biden die besten Chancen. Wobei sein Alter und sein Motto «Zurück zur Normalität» – so verständlich eingedenk der impulsiven Showbusiness-Präsidentschaft Letzterer auch ist – einschränkend wirken. «Die Amerikanerinnen und Amerikaner sind ganz allgemein vom Neuen, dem Wandel, dem Aufbruch fasziniert», so Honegger. Das habe auch bei den Wahlerfolgen von Obama und Trump eine Rolle gespielt.

Präsidentinnenpremiere vier Jahre später?
Mehr als nur Wandel, eine wahre Revolution verspricht Kandidat Bernie Sanders. Aber die sei dann wohl doch zu fundamental, zu links, als dass diese Agenda eine Mehrheit fände. Elizabeth Warren stehe zwischen diesen Positionen. Doch sie könne eigentlich bloss deshalb als Mitte-Kandidatin der Demokraten gelten, weil die Demokratische Partei insgesamt nach Links gerutscht sei. Dennoch nicht ausgeschlossen, dass sie die erste Präsidentin des Landes werden könnte.

Zwei Prozent mehr, aber ...
Dabei reiche es ja nicht, die Mehrheit der Wählenden für sich zu gewinnen, wie Honegger betonte. Hillary Clinton holte 2016 fast drei Millionen Stimmen mehr, was einem Vorsprung von über zwei Prozent gegenüber Trump entspricht. Doch das Wahlmännersystem bevorteilt im Electoral College, das schliesslich den Präsidenten wählt, die bevölkerungsschwachen Staaten. So repräsentieren beispielsweise die drei Wahlmänner im, spärlich besiedelten, konservativen Wyoming je rund 190'000 Einwohner, während im bevölkerungsstarken, progressiven Kalifornien rund 680'000 Einwohner je einen der 55 Wahlmänner bestimmen. Zudem gilt in den meisten Staaten «The winner takes it all». Der siegreiche Kandidierende streicht damit alle Wahlmännerstimmen ein.

Arthur Honegger und Ingo Fritschi

Bei der Affiche füllten sich die Reihen im Auditorium des ABB-Konzernforschungszentrums in Dättwil.

Drei Staaten im Fokus
Das hat demokratiepolitisch einigermassen bedenkliche Folgen: Bei halbwegs ausgeglichenen Wahlen wie jenen von 2016 entscheiden de facto relativ wenige Stimmbürger in den umkämpften «Swing States», wer Präsident oder Präsidentin des mächtigsten Landes der Welt wird. «Merken Sie sich Pennsylvania, Michigan und Wisconsin», gab Honegger eine Prognose ab. Dort werde mutmasslich die nächste Präsidentschaftswahl entschieden.

0,035 Prozent mehr, dann ...
Hätte Hillary Clinton diese drei Staaten gewonnen, wäre sie Präsidentin geworden. Dafür fehlten ihr 2016 insgesamt lediglich 77'000 Stimmen. Wahlrecht haben in den USA rund 220 Millionen Menschen. So gesehen gaben 0,035 Prozent von ihnen den Ausschlag, wer ins Weisse Haus einzieht. Honegger abschliessend: «Die Frage, ob Trump abgelöst wird, hängt auch davon ab, ob die Demokraten ihre Wählerschaft mit dem richtigen Kandidaten an den wichtigen Orten an die Urne bringen können.»

*Über Consenec
Consenec ist das Beratungsunternehmen, das ehemalige Führungskräfte ihrer Trägerfirmen ABB, GE, Bombardier und Ansaldo beschäftigt. Die Top-Manager dieser Unternehmen verlassen ihre ursprüngliche Funktion und Firma im Alter von 60 Jahren und treten in die Consenec AG über. «Consenec Impuls» ist eine Veranstaltungsreihe, die der Weiterbildung, dem Networking und dem Themenaustausch dient. Das Consenec-Modell wurde 1993 von ABB Schweiz entwickelt, um das eigene Kader zu verjüngen und um den Erfahrungs- und Wissensschatz der ehemaligen Führungskräfte weiter zu nutzen.

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